Predigten

Himmelfahrtsgottesdienst 21. Mai 2020 in Greetsiel „Wiedersehen macht Freude“

(Pn. C. Kurrelvink, Larrelt) 

 

Predigttext Johannes 16,19-23 (BasisBibel)

Jesus erklärte seinen Jüngerinnen und Jüngern:„Macht ihr euch Gedanken darüber, dass ich gesagt habe: ›Es dauert nur noch kurze Zeit, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen. Doch noch einmal kurze Zeit später werdet ihr mich wiedersehen‹? Amen, amen, das sage ich euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber diese Welt wird sich freuen. Ja, ihr werdet traurig sein, aber eure Trauer wird sich in Freude verwandeln. Es ist wie bei einer Frau: Sie leidet unter Schmerzen, wenn sie ein Kind zur Welt bringt – ihre Stunde ist gekommen. Aber wenn das Kind geboren ist, denkt sie nicht mehr an den Schmerz. Sie freut sich nur noch, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist. Ihr seid jetzt traurig. Doch ich werde euch wiedersehen. Dann wird euer Herz voll Freude sein und diese Freudekann euch niemand mehr nehmen.“ Amen.

 

Predigt

„Wiedersehen macht Freude“, sagt das Sprichwort. Aufgeregt und erwartungsvoll stehe ich am Flughafen. Meine Augen suchen die Person, auf die ich so sehnsüchtig gewartet habe: Wochen oder vielleicht auch Jahre. Mein Herz klopft – manchmal bis zum Hals. Und dann ist es soweit: Die Tür geht auf. Da kommt sie, die ersehnte Person. Unsere Blicke treffen sich. Nun ist alles gut. Erleichterung. Freudentränen fließen. Ich spüre den Himmel auf Erden, wenn wir uns in den Armen liegen.

 

Ganz anders ist ein Abschied. Eine intensive, unbeschwerte Zeit geht zu Ende: ein gemeinsames Wochenende mit einem alten Freund, ein Klassentreffen nach 50 Jahren, ein aufregender Urlaub. Stunden, Tage sind gezählt. In Kürze heißt es Abschied nehmen. Und dann stehen wir wieder da. Die Maschine, die das Glück brachte, wird es auch wieder nehmen. Und wieder fließen Tränen. Und mein Herz fühlt sich schwer an. Niemand bleibt für immer. Das Leben ist ein ewiges Kommen und Gehen. Alles Schöne ist vergänglich.

Schmerzliche Abschiede. Manche zerreißen mir wirklich das Herz. Auch heute spielen sich dramatische Szenen auf der ganzen Welt ab: Familien werden auseinandergerissen. Ich sehe Mütter, denen ihre Kinder genommen werden. Ich sehe Soldaten, die ihre Heimat verlassen und teilweise stolz, teilweise ängstlich in den Krieg ziehen. Rückkehr ungewiss. Und immer wieder: Eine letzte Umarmung, ein letzter Kuss, ein letztes Winken, das Lösen der Hände, die doch zusammen bleiben wollen. „Bis bald.“ „Pass auf dich auf.“ „Komm bitte bald wieder.“ „Auf Wiedersehen“.

 

Himmelfahrt erzählt sowohl vom Abschied als auch vom Wiedersehen. Jesus verabschiedet sich erneut von seinen Jüngern. Dabei ist er doch gerade erst wieder da. Dabei hatten sie doch gerade erst wieder Hoffnung geschöpft: Das leere Grab. Die erneuten Begegnungen mit dem Auferstandenen. Und nun dies: „Ich kehre zurück zum Vater.“ Allen ist schlagartig klar: Das war’s. Der Vorhang fällt. Dieser Abschied ist endgültig. Jesu Freunde sind schockiert.

Auch weil sie wissen: „diese Welt wird sich freuen.“ Eine bittere Wahrheit. Längst nicht alle hatten Jesus lieb. Nicht jeder hat in Jesus den neuen König, den Messias gesehen. Es gab schon immer auch die anderen: die Feinde, die ihn loswerden wollten. Für die Jesus ein religiöser Spinner, ein Gesetzesbrecher, ein Revolutionär war, einer, der die Leute verrückt gemacht hat. „Macht Euch keine Sorgen um Euer Leben.“ „Das Himmelreich ist mitten unter Euch.“ „Liebet Eure Feinde.“ Seine Sätze und Gedanken: Provokationen für die einen, Hoffnung für die anderen.


Jesus sitzt zwischen den Stühlen: Er liebt die Welt und doch muss er gehen. Was sind die richtigen Worte in dieser Situation? Ich finde, dass Jesus einen guten Weg gefunden hat. Jesus zeigt sich stark und zugleich einfühlsam. Er verharmlost nichts, sondern benennt, was ist und sein wird. „Ihr werdet weinen und klagen. Ihr werdet traurig sein.“Jesus denkt sich zu allererst in die Gefühle seiner Freunde hinein. Allein das hilft. Trost beginnt mit Mitgefühl. Jesus teilt ihre Verzweiflung. Er weiß um die Situation der Jünger, dass sie allein sein werden. Und vor großen Herausforderungen stehen.

An Jesu Himmelfahrt endet nicht nur ein langer, gemeinsamer Weg, nein, es verfliegt auch jegliches Glück, das mit Jesus in die Welt kam. Die Liebe. Die Hoffnung. Der Glaube. Die neue Welt... alles pfutsch! Stattdessen breiten sich Angst und Unsicherheit aus.

Und: Jesus geht. Er kehrt zurück. Weil er es muss. Weil sein Weg und seine Mission noch nicht zu Ende sind. Sein Ziel ist der Himmel. Doch dann das: Jesus hat noch etwas in Petto. Am Schluss spielt er sein Ass. Er punktet mit Hoffnung. Er schenkt den Seinen Perspektive. „Ich werde euch wiedersehen,“ sagt er. Ganz bestimmt. Alles wird gut. Eure Trauer wird sich in Freude verwandeln. Euer Herz wird jubeln. Ihr werdet vor Glück tanzen. Keiner wird eure Freude zerstören. „Wir werden uns wiedersehen.“ Nichts anderes will ich hören, wenn jemand Liebes geht. „We‘ll meet again. Don‘t know where don’t know when, but we’ll meet again.” Wir werden uns wiedersehen. Ich weiß nicht wann, ich weiß nicht wo, aber wir werden uns wiedersehen. Ganz bestimmt.

 

„Wiedersehen macht Freude“. Jesu Wort weckt Hoffnung. Und diese Hoffnung, möchte ich heute an Himmelfahrt stark machen und mit Euch teilen. Erlebte Isolation, Trennung, Abschiede, ja selbst der Tod, all das ist lediglich das Vorletzte. Unser Fokus ist die Hoffnung. Mag sein, dass die Welt dann anders ist. Dass wir uns neu ausrichten müssen. Dass andere Werte gelten. Aber wir werden uns wieder wiedersehen und unsere Blicke werden sich erneut treffen. Ich möchte Euch ermutigen, jetzt von dieser großartigen Hoffnung zu reden, die auf Erden ihren Anfang findet und im Himmel ihre Vollendung erfährt. So wie der blaue Himmel die dunklen Wolken beiseiteschiebt, wollen wir unseren Kummer und unsere Sorgen in Gottes Hände legen und die Hoffnung stark machen.

Ihr wisst ja: Es gibt eine „große, segnende Kraft, die Gott heißt“ (Martin Luther King). Ihr wollen wir vertrauen. „Denn Gott kann Wege aus der Ausweglosigkeit weisen. Er kann das dunkle Gestern in ein helles Morgen verwandeln.“ Alle Angst wird beseitigt sein. Amen.

Hirten werden --Sonntag 26,04,2020
Hirten werden.pdf
PDF-Dokument [1.0 MB]
Sonntagswort aus Larrelt 2
Sonntagswort aus Larrelt 2.pdf
PDF-Dokument [821.4 KB]
Osterandacht 2020
Osterandacht 2020.pdf
PDF-Dokument [231.8 KB]
Sonntagswort aus Larrelt 1
SONNTAGSWORT aus Larrelt.pdf
PDF-Dokument [770.4 KB]
23.10.2011Pastorin Kurrelvink
23.10
23.10.doc
Microsoft Word-Dokument [38.0 KB]
1
Predigt++von+Claudia+Kurrelvink+140811
Predigt++von+Claudia+Kurrelvink+140811.d[...]
Microsoft Word-Dokument [38.5 KB]
4.08.2011Pastorin Kurrelvink
Predigt++von+Claudia+Kurrelvink+140811
Predigt++von+Claudia+Kurrelvink+140811.d[...]
Microsoft Word-Dokument [38.5 KB]
26.06.2011 Einführungsgottesdienst Kurrelvink
Einf$C3$BChrungspredigt+Larrelt+Jer+29+Homepage
Einf$C3$BChrungspredigt+Larrelt+Jer+29+H[...]
Microsoft Word-Dokument [52.0 KB]
Foto: Rouven Kirchhoff
Druckversion | Sitemap

Gemeindebüro: Tel. 04921-61770 | Impressum | Datenschutzerklärung